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Besteuerung der Berufsunfähigkeitsrenten

Bei der Besteuerung von BU-Renten handelt es sich um ein wichtiges Thema, über das sich jeder interessierte Kunde ausreichend informieren sollte. Allein um im Leistungsfall über die tatsächlich zu erhaltende Nettorente Bescheid zu wissen und ungewollte Überraschungen zu vermeiden. Seit dem 01.01.05 ist durch das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) eine Neuregelung der Besteuerung von Altersvorsorgeaufwendungen und Renten in Kraft getreten. Renten aus Berufsunfähigkeitsversicherungen (als Erträge des Rentenrechts) unterliegen als „sonstige Einkünfte“ der Steuerpflicht. Der Gesetzgeber unterscheidet dabei drei Schichten der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Versteuerung 1. Schicht

Die Basisversorgung ist Bestandteil der ersten Schicht. Dazu gehören Leibrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, den landwirtschaftlichen Kassen, sowie den berufsständischen Versorgungswerken. Ebenso Renten aus privaten kapitalgedeckten Lebensversicherungen, wenn diese nach dem 31.12.04 begonnen haben (sog. Rürup-Renten).

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Bei Renten der ersten Schicht besteht die Neuerung vor allem darin, dass alle gesetzlichen und vergleichbaren Renten, die den Grundfreibetrag von 8.472 EUR (Stand: 2015) pro Jahr übersteigen, ab 2005 zu 50 Prozent der Besteuerung unterliegen. Das gilt auch für bereits bestehende Renten, d.h. für Renten, die schon vor dem 01.01.05 gezahlt wurden. Der Besteuerungsanteil wird bis zum Jahr 2020 jährlich um zwei Prozentpunkte steigen. Ab dem Jahr 2021 jährlich um einen weiteren Prozentpunkt, so dass im Jahr 2040 schließlich 100 Prozent der Einkünfte besteuert werden. Wer z.B. im Jahr 2020 in Rente geht, muss mit der Besteuerung von 80 Prozent seines Einkommens rechnen. Der steuerfreie Teil der Jahresbruttorente wird auf Dauer festgeschrieben. Das bedeutet, dass beispielsweise bei einem Renteneintritt im Jahr 2020, 80 Prozent seines Einkommens besteuert werden. Dieser Prozentsatz steigt allerdings für den im Jahr 2020 in Rente Gehenden nicht weiter an, so dass im Jahr 2021 nicht 82 Prozent sondern weiterhin nur 80 Prozent des Einkommens besteuert werden.

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (EMR) wird wie eine gesetzliche Altersrente besteuert. Der signifikante Unterschied besteht hier jedoch darin, dass der steuerfrei bleibende Teil der Jahresbruttorente nicht auf Dauer festgeschrieben ist. Der Prozentsatz bleibt nur für die Dauer der Gültigkeit der Erwerbsminderungsrente gleich. Wenn beispielsweise nach 3 oder 5 Jahren eine erneute medizinische Untersuchung zur Weiterführung der EMR durchgeführt wird, gilt ab diesem Zeitpunkt der aktuelle Besteuerungssatz. Es gilt folgende Tabelle mit den jährlichen Besteuerungsanteilen:

RentenbeginnBesteuerungsanteil
200550
200652
200754
200856
200958
201060
201162
201264
201366
201468
201570
201672
201774
201876
201978
202080
202181
202181
202282
202282
202383
202383
202484
202484
202585
202686
202787
202888
202989
203090
203191
203292
203393
203494
203595
203696
203797
203898
203999
2040100

Für etwa 75% der Rentenbezieher ändert sich durch das Alterseinkünftegesetz nicht sehr viel, da die durchschnittlichen Renten in Deutschland i.d.R. niedriger sind als der veranschlagte Grundfreibetrag. Eine Rente, die z.B. 10.000 EUR pro Jahr beträgt und aufgrund eines Eintritts im Jahr 2015 zu 70 Prozent steuerpflichtig ist (vgl. Tabelle der jährlichen Besteuerungsanteile), wird nur in Höhe von 7.000 EUR zur Steuer herangezogen. Da der Grundfreibetrag aber höher ist, besteht für die 7.000 EUR keine Steuerpflicht. Der Rentner muss also keine Steuern für seine 10.000 EUR zahlen.

Rund ein Viertel der Rentenbezieher ist nach dem neuen Gesetz steuerbelastet. Der Grundfreibetrag wird meist überschritten, wenn zu den Renten weitere Einkünfte hinzu kommen. Der Rentner sollte sich deshalb genau darüber informieren, welche Möglichkeiten der steuerlichen Vergünstigungen (z.B. Behinderten- oder Arbeitnehmerfreibeträge) er in Anspruch nehmen kann.

Im Gegenzug zur Steuerbelastung der Renten werden 60 Prozent der Aufwendungen zur gesetzlichen Rentenversicherung (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) ab 2005 von einer Einkommensteuerbelastung freigestellt (bis zu 60 Prozent von 20.000 EUR pro Jahr, also 12.000 EUR). Die Steuerfreiheit wird jährlich in Schritten von zwei Prozentpunkten angehoben, bis schließlich im Jahr 2025 genau 100 Prozent der Vorsorgeaufwendungen und maximal 20.000 EUR im Jahr steuerfrei sind. Eine Günstigerprüfung stellt sicher, dass durch die Umstellung auf das neue System der Besteuerung niemand schlechter gestellt wird.

Fazit: Da Altersvorsorgeaufwendungen im Rahmen der Höchstgrenze von 20.000 EUR bereits im Jahr 2025 zu 100 Prozent steuerfrei sein werden, während die 100-prozentige Besteuerung der Renten erst im Jahr 2040 erfolgt, kann man sagen, dass im Bereich der ersten Schicht insgesamt eine Steuerentlastung für den Bürger zu verzeichnen ist.

Tel. 0800 – 956 56 56

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Versteuerung 2. Schicht

In der zweiten Schicht ist die Zusatzversorgung enthalten (z.B. aus Riesterversicherungen oder der betrieblichen Altersvorsorge). Die Versteuerung dieser Berufsunfähigkeitsrenten erfolgt folgendermaßen:

Art der DurchführungVersteuerung der BU-Rente
Pauschalbesteuerung der Beiträge (analog zur 3. Schicht)mit Ertragsanteil
Beiträge aus unversteuertem Einkommenzu 100%
als Riesterversicherungzu 100%

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Versteuerung 3. Schicht

In der dritten Schicht findet man alle sonstigen privaten Renten (z.B. die private Rentenversicherung, die private Berufsunfähigkeitsversicherung und Renten aus der Veräußerung von Privatvermögen). Für die 3. Schicht ist zu beachten, dass private BU-Versicherungen nur oberhalb der Freibeträge versteuert werden müssen. Diese werden nach dem Ertragsanteil besteuert. Der Ertragsanteil richtet sich nach der Rentenlaufzeit (Leistungsdauer des Vertrages) und nach dem Alter, ab dem Sie die Zahlungen bekommen. Je höher der Ertragsanteil (als fiktiver Gewinnanteil), desto umfassender müssen Sie Ihre Berufsunfähigkeitsrente versteuern. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen die konkreten Zahlen:

Beschränkung der Laufzeit der Rente auf ... Jahre ab Beginn des RentenbezugsDer Ertragsanteil beträgt ... v. Hundert
00
11
22
34
45
57
68
79
810
912
1013
1114
1215
1316
1416
1517
1618
1718
1819
1920
2021
2122
2223
2324
2425
2526
2627
2728
2829
2930
3030
3131
3232
3333
3434
3535
3635
3736
3837
3938
4039
4139
4240
4341
4441
4542
4643
4743
4844
4945

 

Folgende Leistungen bleiben übrigens auch weiterhin steuerfrei:

  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (§ 3 Nr. 1a EStG)
  • Kriegsopfer- und Wehrdienstrenten (§ 3 Nr. 6 EStG)
  • Ausgleichszahlungen nach dem Bundesvertriebenengesetzes und dem Lastenausgleichsgesetz (§ 3 Nr. 7 EStG)

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Hinweis zur Steuerklärung

Ob ein Rentner zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss zunächst geprüft werden. Wenn Sie Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit beziehen, so sind Sie dazu verpflichtet, wenn der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte den Grenzbetrag von 8.472 EUR (Stand: 2015) für Alleinstehende und 16.944 EUR für Verheiratete übersteigt. Wir empfehlen, sich den Rat von einem qualifizierten Steuerberater anzunehmen, da in der aktuellen Situation die genauen Auswirkungen der geänderten Besteuerung erläutert werden sollten. Ein Steuerexperte kann schnell klären, ob die Abgabe einer Einkommensteuerklärung nötig ist.